Hund zieht an der Leine – was tun?

Dietmar Dala

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Hinweis: medizinische Themen dienen lediglich der Erstinformation. Diagnose und Behandlung müssen immer durch einen Tierarzt erfolgen. Eine falsche Diagnose/Behandlung kann dem Hund schaden und im schlimmsten Fall zum Tod oder schwerwiegenden Folgen führen. Dieser Artikel kann zudem überholte oder fehlerhafte Informationen enthalten.

Warum Leinenführigkeit so wichtig ist

Ein Spaziergang mit dem Hund soll entspannend und verbindend sein – doch wenn dein Hund ständig an der Leine zerrt, wird das schnell zur Geduldsprobe. Nicht nur ist das unangenehm für dich, auch dein Hund leidet unter dem Stress. In diesem Beitrag erfährst du, warum Hunde an der Leine ziehen, welche Fehler du vermeiden solltest und wie du deinem Vierbeiner Leinenführigkeit effektiv beibringst – Schritt für Schritt.


Mögliche Gründe: Warum zieht mein Hund an der Leine?

Bevor du mit dem Training beginnst, solltest du verstehen, warum dein Hund überhaupt zieht. Hier sind die häufigsten Ursachen:

1. Aufregung und Übermotivation

Gerade junge Hunde oder solche mit viel Energie können es kaum erwarten, draußen alles zu erkunden. Die Leine wird dann schlicht als störend empfunden.

2. Fehlendes Training

Leinenführigkeit ist keine angeborene Fähigkeit – sie muss konsequent trainiert werden. Wenn dein Hund nie gelernt hat, an lockerer Leine zu laufen, wird er instinktiv ziehen.

3. Schlechte Erfahrungen

Hunde, die in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben – etwa durch Ziehen oder Zerren durch den Menschen – entwickeln manchmal ein gestörtes Verhalten an der Leine.

4. Bestärkung des Ziehens

Wenn Ziehen zum Ziel führt, etwa schneller zum Park oder zur Hundekumpeline, wird dieses Verhalten vom Hund als erfolgreich abgespeichert – und wiederholt.


Leinenführigkeit vs. „Bei Fuß gehen“ – der Unterschied

Viele Hundebesitzer setzen Leinenführigkeit mit dem Kommando „Bei Fuß“ gleich – das ist ein Irrtum. Beim „Bei Fuß gehen“ läuft der Hund eng an deiner Seite und achtet auf dich. Leinenführigkeit hingegen bedeutet, dass der Hund an lockerer Leine laufen darf, ohne zu ziehen, auch mit gewissem Abstand.


Die 5 größten Fehler beim Leinentraining

Um langfristig Erfolg zu haben, solltest du diese typischen Fehler vermeiden:

  1. Inkonsistenz: Mal wird Ziehen toleriert, mal nicht.

  2. Falsches Timing bei der Korrektur: Eine Korrektur zu spät oder zu früh verwirrt den Hund.

  3. Leine ständig unter Spannung halten: Das erhöht den Druck – der Hund will ausweichen.

  4. Unpassendes Equipment: Flexileinen oder Halsbänder können kontraproduktiv sein.

  5. Zu schnelles Vorgehen: Geduld ist entscheidend – Rückschritte gehören zum Lernprozess.


Effektives Leinentraining: So geht’s Schritt für Schritt

Schritt 1: Das richtige Equipment

Für den Anfang eignet sich ein gut sitzendes Brustgeschirr und eine 2–3 Meter lange Führleine. Vermeide Flexileinen, da sie das Ziehen oft verstärken.

Tipp: In unserem Artikel über das richtige Hundegeschirr findest du hilfreiche Empfehlungen für verschiedene Hunderassen und Größen.


Schritt 2: Aufmerksamkeit aufbauen

Bevor du überhaupt losgehst, übe mit deinem Hund in einer reizarmen Umgebung, dass er auf dich achtet. Nimm ein paar Leckerlis und belohne ihn jedes Mal, wenn er dich anschaut.

Ziel: Dein Hund soll lernen, dass es sich lohnt, auf dich zu achten – nicht auf das nächste Eichhörnchen.


Schritt 3: Belohnung bei lockerer Leine

Läuft dein Hund an lockerer Leine, belohne ihn sofort – entweder mit einem Leckerli, Lob oder einem kurzen Spiel.

Regel: Verstärke nur das Verhalten, das du sehen willst – lockere Leine = Belohnung.


Schritt 4: Ziehen = Stehenbleiben

Sobald dein Hund zieht: Sofort stehen bleiben. Bewege dich erst wieder, wenn die Leine locker ist oder dein Hund zu dir zurückkommt.

So lernt der Hund: „Ziehen bringt mich nicht weiter – aber lockere Leine schon.“


Schritt 5: Richtungswechsel

Zieht dein Hund weiter, ohne zu reagieren? Wechsel spontan die Richtung. Das sorgt für Aufmerksamkeit und macht dich zum Orientierungspunkt.

Tipp: Sei unberechenbar! Hunde lernen am besten durch Überraschung und Konsequenz.


Schritt 6: Training in kleinen Etappen

Überfordere deinen Hund nicht. Trainiere anfangs nur 5–10 Minuten am Stück, dafür regelmäßig. Mit der Zeit kannst du Dauer und Ablenkung steigern.


Zusätzliche Tipps für entspanntere Spaziergänge

✔ Auslastung vor dem Spaziergang

Ein kurzer Spiel- oder Denkspaß vor dem Spaziergang reduziert den Bewegungsdrang. Ideen findest du z. B. in unserem Artikel „Hunde drinnen beschäftigen – kreative Ideen für Regentage“.

✔ Körpersprache nutzen

Richte deinen Oberkörper leicht in Richtung des Hundes, wenn du stehen bleibst. Deine Körpersprache unterstreicht deine Aussage.

✔ Clickertraining

Wenn du mit Clicker arbeitest, kannst du damit perfekte Momente verstärken. Klick bei lockerer Leine – und belohne.


Was tun, wenn’s trotzdem nicht klappt?

Manche Hunde haben hartnäckige Gewohnheiten oder spezielle Bedürfnisse. In diesen Fällen ist es sinnvoll, professionelle Unterstützung durch einen Hundetrainerin zu holen – idealerweise mit positiver Verstärkung.

Achte auf:

  • Zertifizierte Ausbildung

  • Gewaltfreies Training

  • Individuelle Herangehensweise


Die richtige Einstellung des Menschen

Ein entspannter Hund beginnt bei dir. Versuche ruhig zu bleiben, atme tief durch und gehe mit positiver Erwartung an jeden Spaziergang. Dein Hund wird es spüren.


FAQ: Häufige Fragen zur Leinenführigkeit

Ab wann kann man mit Leinentraining beginnen?

Schon ab der 8. Lebenswoche kannst du deinem Welpen spielerisch beibringen, an lockerer Leine zu laufen. Wichtig ist: Geduld und Konsequenz!

Hilft ein Anti-Zug-Geschirr?

Anti-Zug-Geschirre können kurzfristig helfen, aber ersetzen kein Training. Sie sind als Unterstützung zu sehen – nicht als Lösung.

Mein Hund zieht nur bei anderen Hunden – was tun?

Hier hilft gezieltes Begegnungstraining mit Abstand, positiver Verstärkung und ggf. professioneller Hilfe.


Fazit: Entspannt an der Leine – mit Geduld und Klarheit

Wenn dein Hund an der Leine zieht, ist das kein böser Wille – sondern meist ein Zeichen fehlenden Trainings oder übermäßiger Aufregung. Mit konsequentem, positivem Training kannst du erreichen, dass eure Spaziergänge wieder Freude machen – für euch beide.